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Kölner Stadt-Anzeiger vom 18.07.2006 zur neuen Talkshow

Unverkrampft, locker und spontan


von Sven Winterschladen

Der Musiker und gelernte Diplom-Pädagoge moderiert heute erstmals "Guildo und seine Gäste" (SWR, 23.05 Uhr). Sven Winterschladen sprach mit ihm.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Horn, 1998 waren Sie der schrille Entertainer beim Grand Prix, heute Abend sind Sie Gastgeber einer TV-Talkshow mit geistig behinderten Menschen. Wie passt das zusammen?

Guildo Horn: Das passt sehr gut zusammen, da es in meiner Talkshow auch locker und spontan zugehen wird. Wenn man von Behinderten spricht, wird man meistens ernst, traurig oder mitfühlend. In "Guildo und seine Gäste" soll es nicht darum gehen, Betroffenheit auszulösen.

Sondern?

Der Umgang mit Behinderten ist für mich ganz normal, weil ich praktisch mit ihnen groß geworden bin. Ich sehe nur den Charakter hinter einem Menschen. Ich habe nach dem Abitur ein freiwilliges soziales Jahr bei der Lebenshilfe gemacht und auch während meines Studiums – ich bin übrigens Diplom-Pädagoge – habe ich viel Zeit in der Behinderten-Organisation "Lebenshilfe" verbracht, Theater- und Musikgruppen geleitet. In dieser Zeit hatten wir immer viel Spaß miteinander und haben oft gelacht.

Und so soll die Show auch sein?

Natürlich werden wir nicht permanent lustig sein. Aber es soll auch nicht darauf hinauslaufen, dass wir uns nur über Behinderung unterhalten. Wir werden über alle Themen reden, die uns betreffen. Das fängt beim Fußball an, geht über Arbeitslosigkeit bis hin zur Politik.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Ich war vor zwei Jahren bei Frank Elsner in seiner Show "Menschen der Woche", um eines meiner Musicals zu promoten. Nach dem Auftritt habe ich Elsner erzählt, dass ich gerne eine Sendung moderieren würde. Wir haben uns dann bei ihm im Wohnzimmer die Köpfe heiß diskutiert und nach Ideen gesucht.

Ein bislang einmaliges Format in der deutschen Fernsehlandschaft?

Genau, deshalb sehe ich das Projekt auch als Experiment an. Wir haben das Konzept dann dem SWR präsentiert. Die fanden das sofort Klasse. Im Moment sind dort alle etwas angespannt, weil sie nicht wissen, wie Guildo Horn mit Behinderten und einer Talkshow zusammenpasst. Aber der SWR traut es sich, weil sie der Meinung sind, dass die Zeit dafür jetzt reif ist.

Sind sie aufgeregt?

Ich bin sehr entspannt, weil ich weiß, wie nett und charmant behinderte Menschen sind. Ich habe meine Gäste vorher kennen gelernt. Wir freuen uns, wenn es endlich losgeht.

Mit welcher anderen Talkshow könnte man die Sendung vergleichen?

Wir betreten Neuland. Es wird völlig anders und völlig neu sein. Wir gehen gemeinsam ins Studio und wissen vorher überhaupt nicht, was später dabei rauskommt.

Was wird wohl eine Behinderte sagen, wenn sie nach ihrer Meinung zu Schönheitsoperationen gefragt wird?

Behinderte haben ganz normale Schönheitsvorstellungen. Auch sie achten auf ihr Äußeres oder kaufen sich bestimmte Markenkleidung, weil sie die cool finden. Man könnte sie aber mal fragen, ob sie sich operieren lassen würden.

Die Medienfigur Guildo Horn hat immer polarisiert und bestimmte Ziele verfolgt. Welches Ziel verfolgen Sie mit der neuen Talkshow?

In Deutschland leben über 450 000 behinderte Menschen. Ich habe viele Freunde und Bekannte, die noch nie mit Behinderten Kontakt hatten. Ich sehe die Chance, Behinderten eine Plattform zu geben, sich als aktive Menschen zu zeigen. Bislang sieht man sie im Fernsehen eigentlich nur als Hilfsempfänger. Das entspricht nicht der Realität. Behinderte sind sehr interessante Menschen, die zu ihrer Individualität stehen. In der Show können wir zeigen, wie unverkrampft und locker das Zusammenleben stattfinden kann. Das sind ganz normale Erwachsene, die überhaupt nicht wollen, dass man besonders viel Rücksicht auf sie nimmt. Man kann auch über die Leute lachen, die lachen auch über mich. Ich möchte aber betonen, dass wir niemanden vor die Kamera zerren. Es wird niemand vorgeführt. Unser Ziel ist es, die Schwellenängste in der Öffentlichkeit abzubauen.